22. März 2018

BrL-M: Unerwartete Kehrtwende


HSG Ahrensdorf/Schenkenhorst – HC Bad Liebenwerda (8:15) 27:26

In der Geschichte des Sports hat es schon einige Aufholjagden gegeben, selbst das erfahrene Ahrensdorfer Handballpublikum, das in der Brandenburgligasaison 2017/18 so einige spannende Spiele ertragen musste, hat am vergangenen Samstag seinen Augen nicht trauen können, als auf der Anzeigetafel ein 27:26 Endstand zu sehen war. Viele Zuschauer glaubten nicht mehr an einen Sieg der 1. Männer ihrer HSG. Obwohl den letzten drei erfolgreich gestalteten Pflichtspielen nach zu urteilen, sollte man meinen, dass die Mannen um Trainer Steffen Schieke sich gefangen haben und ein immenses Selbstvertrauen aufgebaut haben müssten. Allerdings begannen sie ängstlich, ideenlos und viel zu zaghaft das Heimspiel gegen den Aufsteiger aus Bad Liebenwerda.

In den ersten zehn Minuten plätscherte die Partie so dahin, beide Teams versuchten krampfhaft ins Spiel zu finden, wobei die Gäste einen stabileren Eindruck machten. Nach dem Führungstreffer zum 4:5 nahm Schieke postwendend eine Auszeit, um seine Jungs wachzurütteln. Es blieb, zum Erstaunen aller, leider nur bei einem Versuch seine Jungs aufzuwecken, sie agierten weiterhin in einem winterstarreartigen Zustand. Jeder verteidigte für sich, vorne im Angriff handelte man unkonzentriert, nicht überzeugend, sie nahmen sich unvorbereitete Würfe und gerieten immer wieder in Kontersituationen. Somit betrug der Spielstand nach weiteren zehn Minuten 6:11 und die Hausherren standen mit dem Rücken zur Wand. Es sollte zu diesem Zeitpunkt einfach überhaupt nichts gelingen. Ständig flatterten die Abpraller zum Gegner, man kassierte Tore, die über den Pfosten, gegen den Rücken des HSG-Keepers den Weg in den Kasten fanden, ergo gesellte sich zu Unvermögen, auch noch Pech. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Hausherren durch das Schlusssignal vorerst erlöst wurden und mit 8:15 insgesamt noch gut bedient aus dem ersten Spielabschnitt in die Pause entlassen wurden.

In den zehn Minuten Spielunterbrechung galt es für alle Beteiligten ordentlich Aufbauarbeit zu leisten, logischerweise hingen die Köpfe bei den HSG – Akteuren hinunter. Ein Hauch der Ratlosigkeit über dieses kollektive Versagen war in der Kabine zu spüren. Wo war sie hin, die Selbstsicherheit? Was machten sie anders, als in den vorherigen Spielen? Man konnte sich diese erste Hälfte nicht erklären, doch war man sich einig, dass es so nicht weitergehen kann. „Männer! Schlechter kann es nicht werden, wir streichen jetzt die ersten dreißig Minuten, besinnen uns mal auf unsere Stärken, vermindern unsere Fehlwurfquote und dann gewinnen wir die zweite Halbzeit mit acht Dingern!“, so Interims- Co-Trainer und Kapitän Schiller.

Zunächst sollte der zweite Spielabschnitt so beginnen, wie der erste aufgehört hat. Doch die taktische Maßnahme, zusätzlich zur persönlichen Manndeckung gegen den Topangreifer der Liga, den quirligen Mittelmann aus dem Spiel zu nehmen, sollte Früchte tragen. Die Gäste wirkten zusehends verunsichert und kamen weitestgehend über die Außenpositionen zum Abschluss. Allerdings war es ihnen nur selten möglich, daraus Kapital zu schlagen, denn fortan konnten sich die HSG-Spieler auf ihren Torhüter verlassen, der die Gäste nahezu in den Wahnsinn trieb. Mit über 50% gehaltenen Bällen sollte diese Leistung am Ende ein wesentlicher Faktor in der Entscheidung über Sieg oder Niederlage sein. In sieben Minuten legte die HSG-Truppe einen 6:0 – Lauf hin und man war ganz unverhofft wieder im Spiel. Mit dem 19:21 in der 47. Minute hatten sie es auf einmal wieder selbst in der Hand das Spiel zu ihren Gunsten zu entscheiden. Jedoch spielte man im Angriff immer noch nicht annähernd auf gewohntem Niveau, machte leichte Fehler, die im Gegensatz zum ersten Spielabschnitt nicht konsequent von den Gästen bestraft wurden. Sie bekamen folglich mehrfach die Möglichkeiten einen Anschluss herzustellen, was die HSG im Endeffekt auch tat. Ein paar Minuten konstruktives Angriffsspiel, ein wenig Glück und ein paar Treffer später ebneten den Weg ins Grande Finale. In der Schlussphase des Spiels kreierte sich ein wahrer Hitchcock. In der vorletzten Spielminute glichen die Hausherren zum 26:26 aus, wehrten den direkten Gegenangriff ab und ungefähr zehn Sekunden vor Schluss erzielten sie den erlösenden Siegtreffer.

Nach dem Schlusspfiff brachen alle Dämme, die Spieler und Trainer rasten auf ihren Torhüter zu, feierten sich springend im üblichen Kreis und gingen anschließend zum obligatorischen Abklatschen mit dem selbstverständlich niedergeschlagenen Gegner. Über die Frage, verdient oder unverdient, brauch man an dieser Stelle keine Debatte aufmachen. Das Team vom HC Bad Liebenwerda hätte einen Punkt, wenn nicht sogar alle beide redlich verdient gehabt. Sport ist eben manchmal brutal, diesmal nicht nur auf dem Parkett, vielmehr hinterlässt der Spielausgang eher mentale Wunden, als körperliche Blessuren. Alles in allem führte die HSG einmal im gesamten Spiel, scheiterte viel zu oft am sehr starken HCL- Keeper, agierte fahrig und zu passiv in der Abwehr, jedoch bewiesen sie wieder einmal große Moral und konnten somit zwei weitere, ganz wichtige Punkte gegen einen direkten Konkurrenten einfahren.

Am nächsten Samstag reist der nun Tabellensechste nach Luckau zum HC Spreewald, wo man sicherlich ganz anders auftreten muss, um zählbares mitzunehmen. Womöglich können die Männer der HSG frei nach dem Motto „Alles kann, nichts muss!“ aufspielen und dem Ligaprimus Paroli bieten oder gar weitere Zähler entführen.

ms

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